Die wachsende Entfremdung von der Natur
Ich habe letztens einen Artikel gelesen, der mich nachdenklich gestimmt hat.
Es ging darum, dass immer mehr Wildtiere aufgrund ihres schwindenden natürlichen Lebensraumes in die Städte kommen. Gleichzeitig kommt es bei vielen Menschen zu einer zunehmenden Entfremdung von der Natur, verbunden mit geringerem Wissen über unsere Mitgeschöpfe und die natürlichen Zusammenhänge.
Dies sind (leider) keine neuen Erkenntnisse; vielleicht hat es gerade deshalb wieder etwas in mir berührt. Denn als jemand, der in und mit der Natur groß geworden und zutiefst mit ihr verbunden ist und diese Liebe sogar zum Beruf gemacht hat, ist es mir eine Herzensangelegenheit, die Naturverbindung wieder zu stärken.
Warum Naturverbindung so wichtig ist
Aus meiner Sicht ist es dabei nicht wichtig, wissenschaftliche Zuordnungen zu kennen; was wir alle, sowohl wir Menschen als auch unsere wunderbaren Mitgeschöpfe, brauchen, sind ein Gespür unsererseits für das Wesen der Tiere und Pflanzen und die Kenntnis ihrer Gewohnheiten. Denn indem wir unsere Nachbarn kennenlernen, bauen wir eine tiefere Verbindung zu ihnen auf.
Die Basis für ein gutes Zusammenleben ist das Wissen um die jeweiligen Rollen und das Zusammenspiel aller im großen Netzwerk des Lebens. Auch wenn viele Menschen dies in ihrem Alltag nicht mehr sehen, sind wir Teil der Natur. Wir sind natürliche Wesen; biologisch betrachtet gehören wir zu den Säugetieren.
Leider haben wir in unserer technologiebasierten Welt die bewusste Verbindung zu unseren natürlichen Rhythmen und zu unseren Wurzeln weitgehend verloren. Aber unsere Körper sind nach wie vor auf diese Rhythmen ausgerichtet. Dadurch, dass wir mit unserer Lebensweise größtenteils gegen diese Zyklen leben, haben wir mit einer zunehmenden Zahl und Rate an sogenannten Zivilisationskrankheiten zu tun. Um wieder im Einklang zu leben, müssen wir uns an unsere Wurzeln erinnern. Und diese Wurzeln finden wir in der Natur.
Tiere und Pflanzen leben es uns vor, wie ein Leben im natürlichen Rhythmus der Jahreszeiten aussieht. Sie zeigen uns, dass sich in einem gesunden Lebenszyklus Phasen von Ruhe und Regeneration mit Phasen von Aktivität und Wachstum abwechseln.
Wenn wir uns Zeit nehmen und neugierig und offen sind, können wir wieder von der Natur lernen – so, wie es unsere Vorfahren auch getan haben. Es gibt so viel zu entdecken; die Natur hält so viele Geschenke für uns bereit. Und wie man es mit Geschenken üblicherweise tut, können und sollten wir ihr dafür mit Dankbarkeit und Wertschätzung begegnen.
Eine einfache Praxis: Der Sitzplatz
Eine ganz praktische Möglichkeit, um wieder einen bewussten Kontakt zur Natur und unseren Nachbarn aufzubauen ist der Sitzplatz.
Dafür suchst du dir einen schönen Platz, der so naturnah wie möglich ist. Das kann im Wald, im Park, an einem Fluss oder auch im Garten oder auf dem Balkon sein.
Hauptsache ist, dass du an diesem Platz Tiere und Pflanzen beobachten und auch das Wetter erleben kannst und dass dieser Ort gut für dich erreichbar ist. Denn wenn die „Anreise“ mit zu viel Aufwand verbunden ist, wirst du deine Besuche vermutlich relativ schnell wieder einstellen. Außerdem solltest du doch an deinem Sitzplatz sicher und gut aufgehoben fühlen.
Mache dich mit diesem Platz vertraut; sieh dich in Ruhe um und suche dir einen Platz, an dem du bequem sitzen kannst und einen guten Blick auf die Umgebung hast. Und dann entspanne dich und nimm einfach absichtslos wahr, was um dich herum geschieht. Sei einfach Beobachter.
Verbringe regelmäßig Zeit an deinem Sitzplatz – jedes Mal möglichst mindestens 20 Minuten – um das Leben dort und seinen Rhythmus wirklich kennenzulernen. Wie oft regelmäßig für dich heißt, entscheidest du. Je öfter du deinen Platz besuchst, desto intensiver wird die Verbindung zu diesem.
Besuche ihn auch gerne zu unterschiedlichen Tageszeiten und bei unterschiedlichem Wetter.
Wenn du magst, kannst du dir ein kleines Notizbüchlein an deinen Sitzplatz mitnehmen und deine Beobachtungen aufzeichnen. So verankerst du deine Erlebnisse noch tiefer und kannst jederzeit wieder darin eintauchen. Außerdem hilft es dir, Regelmäßigkeiten in den natürlichen Abläufen oder auch Veränderungen zu erkennen.
Lege deinen Fokus aber v.a. auf das Wahrnehmen; d.h. verpasse nicht, was um dich herum geschieht, weil du mit Schreiben oder Zeichnen beschäftigt bist. Falls du dich zu sehr davon ablenken lassen solltest, kannst du dir auch erst zuhause Notizen machen, sodass du am Sitzplatz wirklich ganz präsent bist.
Die Wirkung: Mehr Verbindung – mit der Natur und mit dir selbst
Mit der Zeit wirst du bemerken, dass deine Verbundenheit mit der Natur und auch mit dir selbst wächst und dass du klarer, ruhiger und ausgeglichener wirst und dass deine Wahrnehmung ausgeprägter wird. All dies wirkt sich positiv auf dein gesamtes Leben aus.
Probier es aus. Ich wünsche dir viele wundervolle Erlebnisse und Erkenntnisse.

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